Die Pfarrei St. Joseph Ostenland

Erstmals wurde in Ostenland um das Jahr 1480 eine Kapelle erbaut. Sie trug den Namen St. Anna-Kluskapelle und wurde „auf dem Haupte“ von den Einwohnern erbaut. Vermutet wird, dass in der Kapelle auf einem Tragaltar einmal bis zweimal im Jahr ein Gottesdienst gehalten wurde. An Sonn- und Feiertagen mussten die Gläubigen nach Delbrück oder Lippling gehen. Zum Sakramentempfang war man verpflichtet nach Delbrück zu gehen, dieses geht aus den 1666 einsetzenden Kirchenmartikeln dort hervor.

Am 13. Januar 1769 gestattete Fürstbischof Wilhem Anton, dass in der im Haupt „willkürlich“ erbauten „öffentlichen Kapelle“ für 5 Jahre „ohne Verminderung der Pfarrechte“, an Sonn- und Feiertagen, ausgenommen an den 4 Hochfesten, zu Kirchweih und dem Patronatsfest, über einen Tragaltar, von einem weltlichem oder Ordenspriester, um 6 Uhr morgens eine Frühmesse mit Predigt für die Kranken und Schwachen und die in den Häusern Unabkömmlichen abgehalten werden dürfte. Der damalige Schulmeister sollte den Küsterdienst in der Kapelle versehen und die anzuschaffende Glocke zu den Tagesgebeten läuten. Diese Erlaubnis wurde ab 1820 alle 5 Jahre erneuert.

Zuerst hielten den Gottesdienst Jesuiten aus Paderborn und Franziskaner aus Bielefeld ab. Ihre Namen sind leider nicht bekannt. Aus der Chronik der Pfarrgemeinde weiß man jedoch von einem emeritierten Geistlichem „auf dem Hapigs Hof“. Josef Hauptmann, früher Benefiziat in Bielefeld, gestorben am 28. Februar 1829 im Alter von 80 Jahren, soll auch den Gottesdienst versehen haben.

Am 7. März 1853 erfolgte die erste Priesterweihe eines Mannes aus Ostenland: Der am 29. Dezember 1829 zu Ostenland als Sohn eines „Kolons“ geborene Johann Georg Berhorst. Nach dem Studium in Paderborn erwarb er in Würzburg den Grad Dr. theol. Danach war er in Minden, Petershagen und Mühlhausen als Kaplan tätig, bevor er 1856 Präses des Knabenseminares wurde. 1869 wurde er Pfarrer am Busdorf und Militärpfarrer in Paderborn. Im Jahr 1882 wurde er Geistlicher Rat und Domkapitular. Von 1884 bis 1889 war er Generalvikar des Bischofs von Paderborn und zusätzlich ab 1885 auch Domdechant. Längere Zeit war er auch Diözesanvorsitzender der Bonifatiusvereins. Am 24. April 1890 verstarb er in Paderborn und wurde auf dem Kapitelsfriedhof beigesetzt.

Am 20 April 1870 tritt Johann Wittmund als erster selbstständiger Vikar in Ostenland-Haupt mit einem Fixum von 250 Taler seine Stelle an. Am 3. Mai 1870 wird ihm vom Generalvikar gestattet wenigsten 4 Messen wöchentlich abhalten zu dürfen. Weiterhin wurde die Aufbewahrung des Allerheiligsten im verschließbaren Tabernakel und damit verbunden das dauerhaft angebrachte ewige Licht in der Kirche gestattet.

1901 wurden drei neue Glocken, vom Glockengießer Humpert in Brilon, bestellt. Diese kosteten 1.350 Mark und wurden aus privaten Stiftungen abgedeckt. Die größte wurde geweiht „Ad majorem Die gloriam et nostram salutem, die mittlerste sollte dem heiligen Josef geweiht werden und die kleinste „Ad honorem sanctae Mariae virginis“. Die alte Glocke, die 1869 angeschaffte wurde, verkaufte man nach Westerwiehe.

1905 erhält die „Filialgemeinde Ostenland“ (immer noch abhängig von Delbrück) einen Beerdigungsplatz, den sie sich verpflichten muss zu bezahlen und auszustatten. Weiterhin entsteht in Ostenland eine „Borromäusbücherei“.

Am 1. Januar 1911 wird Filiale Haupt zur eigenen Filialgemeinde und hat eine eigene „Vermögensverwaltung und Korporationsrechte“.

Im April 1915 kommt Hubert Fuest als Pfarrvikar nach Ostenland. Ihm ist vor allem der Kirchbau sehr wichtig.

Nach einigen Versuchen scheiterte die Gemeinde 1921 auf Grund der Inflation erneut an der Abpfarrung von Delbrück.

1933 verlässt Pfarrvikar Fuest die Gemeinde und geht als Priester nach Lüchtringen. Sein goldenes Priesterjubiläum wird mit einem imposanten Fackelumzug gefeiert. Als sein Nachfolger kommt Anton Kerkmann.

Da Kerkmann sich 1939 von der Kanzel mit unverholenen Andeutungen gegen Rosenbergs „Mythus des XX. Jahrhunderts“ äußert wird ihm wegen „Störung der öffentliche Sicherheit“ der weitere Aufenthalt in Westfalen untersagt. Er geht nach Wohltorf (Braunschweig). Am 1. Dezember wird Vikar Michels als sein Vertreter ernannt.

Am Ostersonntag 1939 feiert Johannes Ilsen von den Weißen Vätern seine Primiz in Ostenland.

Ostenland versucht erneut einen Antrag auf Pfarrerhebung zu stellen. Aber der 2. Weltkrieg stoppte jede Entwicklung in dieser Richtung.

1945 kehrt Anton Kerkmann zurück nach Ostenland und Michels räumt neidlos die Stelle und erhält eine Stelle in Fürsteberg. Erzbischof Lorenz übergibt ihm offizell am 6. Oktober 1945 die Pfarrvikarie in Ostenland.

Zum 1. Januar 1950 wurde die Pfarrei durch Erzbischof Lorenz Jäger offiziell von Delbrück abgepfarrt und bekam die volle Selbstständigkeit. Am 1. Januar 1950 wird Anton Kerkmann vom Dechanten aus Stukenbrock feierlich in sein Amt als erster Pfarrer der neuen Pfarrei eingeführt. In dem gleichem Jahr feiert Anton Kerkmann sein 40 jähriges Priesterjubiläum. Weiterhin wird das Pfarrhaus mit dem Spruch: „Wer will in den Himmelein, muß mit dem Kreuz beladen sein“ versehen und die Jahreszahl 1746 wurde sorgfälltig ausgemalt.

1956 feierte Pfarrer Kerkmann seinen 75. Geburtstag und bekommt den 4. großen Fackelumzug und die silberne Schützenmedaillie verliehen.

1957 wird Anton Kerkmann immer kränker und erleidet in einer Messe einen Schwächeanfall, daraufhin erbittet am 1. Juni seine Versetzung in den Ruhestand. Als neuer Pfarrer kommt Heinrich Hemken-to-Krax, aus der Bauerschaft Spexard.Er wird durch den Dechant in Hövelhof eingeführt. In diesem Jahr hat er 21 Trauungen, 46 Taufen, 12 Sterbefälle und 31.150 Kommunionen.

1960 wird das alte Pfarrhaus mit dem Wirtschaftsgebäude abgerissen und für 78.000 DM ein neues genehmigt. Am 4. Dezember kann dann schon das neue Pfarrhaus einweiht werden.

Am 17. Juli stirbt Pfarrer Anton Kerkmann in Nordkirchen. An der Beerdigung in Ostenland ist eine sehr große Beteiligung festzustellen.

1968 wurden die ersten Pfarrnachrichten gedruckt.

Der Bau einer Friedhofskapelle erfolgte 1969.

Am 28 April 1985 feiert Pfarrer Hemken-to-Krax in einer sehr vollen Kirche seinen Abschiedsgottesdienst. Anschließend übernahm Pfarrer Hubert Poschmann die Gemeinde und leitete sie bis 2009. Er war der bisher letzte Pfarrer der Pfarrei.

Seit dem 1. August 2009 wird die Pfarrei vom jeweiligen Leiter des Pastoralverbundes als Pfarrverwalter geleitet.

Zur Pfarrei gehören 2.431 Katholiken (Stand 15.10.2014).

Erste Schriftliche Erwähnung der St. Anna-Kapelle

Zu sehen ist hier die erste Schriftliche Erwähnung der „Capelle beim Haupte“ anlässlich der Visitation der Pfarrei Delbrück 1654 durch Pfarrer Rören. Er der berichtet, dass die St. Anna-Kapelle 1650 nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut worden sei.

 

Geistliche in Ostenland

Vikare
1870-1891 Johann Wittmund
1982-1903 Heinrich Salmen
1903-1908 Josef Haselhorst
1908-1911 August Habbel

Pfarrvikare
1911-1915 August Habbel
1915-1933 Hubert Fuest
1933-1939 Anton Kerkmann
1939-1945 Vertreter Michels
1945-1950 Anton Kerkmann

Pfarrer
1950-1957 Anton Kerkmann
1957-1985 Heinrich Hemken-to-Krax
1985-2009 Hubert Poschmann

Pfarrverwalter
2009-2012 Martin Göke (Pfarrer in St. Landolinus Boke / Leiter des Pastoralverbundes Boke-Ostenland)
2012-2013 Dr. Thomas Witt (Pfarrer in St. Johannes Bapt. Delbrück / Leiter des Pastoralverbundes Delbrück)
2013-         Dirk Gresch (Pfarrer in St. Johannes Bapt. Delbrück / Leiter des Pastoralverbundes Delbrück)

 

Anschrift

Pastoralverbund Delbrück
Kirchplatz 8
33129 Delbrück

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