Die Pfarrei St. Landolinus Boke (mit Anreppen und Bentfeld)

Die Pfarrei Boke ist eine der ältesten Kirchengemeinden des Erzbistums Paderborn.

Für die Menschen in den Boker Nachbarorten war die Pfarrkirche St. Landolinus ein religiöser Bezugspunkt.

Früher erstreckte sich die Urpfarrei Boke in nord- südlicher Richtung von Hövelhof bis nach Salzkotten und in west-östlicher Richtung von Lippstadt bis nach Elsen.
In dem 18. Jahrhundert gehörten zu dem alten Kirchspiel Boke die Orte Thüle, Schwelle-Winkhausen-Holsen, Mantinghausen, Anreppen und Bentfeld.
Viele dieser Orte wurden in die Selbstständigkeit entlassen und errichteten ihre eigene Kirche.

Heute gehören zur Pfarrgemeinde St. Landolinus Boke die Nachbarorte Anreppen (mit der Filialkirche St. Josef) und Bentfeld (mit der Filialkirche St. Dionysius).
Eine gemeinsame Geschichte verbindet alle diese Gemeinden bis in die heutige Zeit.

Zur gesamten Pfarrei gehören 3.821 Katholiken (Stand 15.10.2014).

Der Pfarrpatron St. Landolinus

Der heilige Landolinus oder auch Landelinus wurde auf dem Landgute Vallis (Vaulx-Vraucort) bei Cambrai im heutigen Departement Nord aus einem edlen fränkischen Geschlecht unter der Regierung des Frankenkönigs Dagobert um das Jahr 637 geboren. Um dem reichbegabten Knaben eine gute Erziehung zu vermitteln, übergaben ihn die Eltern schon in jungen Jahren dem Verwandten Bischof Autbert von Cambrai (636-669), der ihn auch aus der Taufe gehoben hatte.

Der Knabe machte unter der Leitung seines väterlichen Lehrers, der seinen Zögling wohl auf den Priesterstand vorbereiten wollte, sowohl im Studium als auch im religiösen Leben glänzende Fortschritte und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen, dem Bischof ein Helfer in der Verbreitung des noch jungen Christentums zu werden.

Schon sollte der 8jährige Jüngling die Tonsur empfangen, da kam plötzlich ein schwerer Rückschlag. Der böse Feind säte Unkraut unter den Weizen. Mehrere seiner Verwandten gewannen ungünstigen Einfluss auf den Jüngling. Sie überredeten ihn: “Wie, Landelin, du wolltest in der Blüte deiner Jahre der Welt entsagen und auf ihre Güter verzichten? Hinter Klostermauern kannst du weder dir noch den Deinen nützen. Folge uns und genieße das Leben in vollen Zügen. Tust du das, so soll es dir an nichts fehlen; wir sorgen für dich.”

Solchen Verlockungen und Versprechungen seiner eigenen Verwandten vermochte der Jüngling nicht zu widerstehen. Heimlich floh er aus der Obhut seines Lehrers Autbert und fand leicht Kameraden, deren Umgang ihn vollends verdarb. Rasch war sein Vermögen mit diesen Spießgesellen vertan, und um das lockere Leben fortsetzen zu können, schloss er sich einer Räuberbande an, deren Führer er bald wurde. Um mit der Vergangenheit ganz zu brechen, und um bei seinen Räubereien nicht so leicht gefasst zu werden, legte er auch seinen Namen ab und ließ sich von seinen Genossen Maurosus nennen.

Der Bischof Autbert hörte nicht auf, um die Rückkehr seines verlorenen Sohnes zu beten und durch eigene Bußwerke Gottes Gnade herabzuflehen.

Der Betende wurde erhört. Eines Nachts versuchten die Räuber unter der Führung des Landelinus, das Haus eines Reichen auszuplündern. Einer der Gesellen hatte bereits die Leiter erstiegen, um ein Fenster zu öffnen, als er einen Fehltritt tat und tot in die Tiefe hinabstürzte. Entsetzt flohen die Räuber in ein nahes Gehölz, wo Landelin zunächst bei dem furchtbaren Gedanken über das Schicksal des toten Freundes seine Ruhe zu finden vermochte.

Dann schlief er ermattet unter freiem Himmel ein. Im Traum hatte er ein Gesicht. Der Schutzengel trat an sein Lager, und es kam ihm vor, als wenn böse Geister die unglückliche Seele des toten Räubers zur Hölle geißelten und als vernehme er die Stimme des Engels: „O Landeline, modo conspice remunerationem tui laboris. Derelinque igitur opera diaboli!“ (Landelin sieh hier den Lohn in der Ewigkeit! Laß ab von den Werken der Finsternis, lege die Blindheit deines Geistes ab und werde ein Streiter für Christus; folge den heilsamen Lehren deines geistigen Vaters Autbert.)

Landelinus erwachte; von Gewissensangst aufgeschreckt, in tiefster Seele aufgewühlt, schwebten seine Vergehen vor ihm; er kniete auf die Erde und dankte dem Herrn für seine Barmherzigkeit und bat um die Gnade wahrer Bekehrung. Sogleich verließ er seine bösen Genossen, mit welchen er fünf Jahre zusammen gehaust hatte.

Er eilte nach Cambrai zum Bischof Autbert, fiel vor ihm nieder und bat ihn um Verzeihung. Dieser nahm den wiedergefundenen Sohn voll Freude in seine Arme, dankte Gott für seine Rückkehr und führte seinen Zögling wieder in den Schoß der Kirche zurück.

Nun begann Landelin in einem Kloster zu Cambrai ein hartes Leben in Bußübungen, Fasten, Beten, um für seine an Leib und Gut der Mitmenschen begangenen Verbrechen Buße zu tun.

Der Bekehrte entsagte dann ganz der Welt, bat den Bischof um die vorbereitenden Weihen zum Priesterstande; er erhielt die Tonsur in christlicher Demut und ging auf Rat des Bischofs Autbert als Pilger nach Rom. Sein Eifer in den Werken der Buße war so ehrlich und groß, daß ihm Autbert nach der Rückkehr aus der ewigen Stadt die Diakonatsweihe erteilen konnte.
Ein zweites Mal unternahm er eine Buß- und Pilgerfahrt nach Rom zum Papste Vitalian (657-672) und empfing, in die Heimat zurückgekehrt, aus den Händen seines Lehrers und Bischofs die heilige Priesterweihe.

Obgleich seine Körperkräfte schon nachließen, unternahm er im Jahre 668 noch eine dritte Romreise, und zwar diesmal mit seinen Schülern Adelin und Domitian. Nach seiner Rückkehr nach Cambrai starb dort sein väterlicher Freund und Lehrer, dem Landelin so unendlich viel zu verdanken hatte. Sterbend segnete Autbert seinen Zögling und trug ihm auf, noch in anderen Gegenden für die Verherrlichung Gottes und das Heil der Menschen tätig zu sein.

Landelin begann seine gottgesegnete Tätigkeit. Er ließ in den nächsten Jahren vier Klöster erbauen.

Das erste Kloster entstand, bei Lobbes an der Sambre im Gau Heinau (Provinz Hainaut/Belgien).

Als sein Aufenthaltsort bekannt geworden war und sein heiligmäßiges Leben viele Freunde der Einsamkeit anzog, überließ er diese klösterliche Niederlassung seinen Gefährten, um drei Meilen entfernt das Kloster Aulne zu gründen, welches er wie das erste dem heiligen Petrus weihte. Gebet und Fleiß der frommen Mönche schufen aus einer Wüste fruchtbares Ackerland und streuten das Samenkorn auf den Acker und den Samen der christlichen Lehre in die Herzen der Menschen.

Das dritte Kloster war in Wallers, acht Meilen von Lobbes, ebenfalls dem heiligen Petrus geweiht.

Das vierte Kloster wurde durch Landolinus in Gemeinschaft mit Adelin und Domitian am Flusse Hion gegründet.
Als sie hier den Wald zur Anlage der Gebäude zu roden begannen, erschien der Grundherr und verbot ihnen jede weitere Arbeit und nahm den Leuten die bei der Arbeit abgelegten Oberkleider fort. Aber der Segen des Himmels ruhte auf den Werken des Landolin. Bald erkannte der Eigentümer, durch eine Mahnung Gottes belehrt, weil er plötzlich gelähmt wurde, seine allzu große Erregung als unbegründet an und legte dem Bau des Klosters keine weiteren Hindernisse mehr in den Weg. Er überließ das ganze Grundstück dem Kloster als freies Eigentum und errichtete ein Bethaus zu Ehren des heiligen Bischofs Martin. Dieses Kloster soll 697 eingeweiht sein, als Landolin gerade 60 Jahre alt geworden war.

Diesem Gotteshause fehlte eine Ouelle. Da - so erzählt eine zweite Lebensbeschreibung - schlug Landelin wie ein zweiter Moses an einen Felsen, und sogleich sprudelte ein kleines Bächlein hervor, weshalb dieses Kloster den Namen Crispinium (lat. crispare = sprudeln) erhielt. Später entstand an diesem Ort die Abtei Crespin, mit einer dem Apostel Petrus geweihten Kirche.

In einer der zweiten Lebensbeschreibung angehängten Bemerkung wird diese OueIle des heiligen Landelin näher beschrieben. Sie fasste über 100 Fuß im Umfang. Ihr Wasser galt als heilkräftig. Auch von einem Wunder wird dort berichtet:
Als ein Bäckersohn aus Crispinium in dem Bächlein ertrunken war und tot herausgezogen wurde, wurde er plötzlich, wie man allgemein glaubte, auf die Fürbitte des heiligen Landelin, lebend. Auch von einer wunderkräftigen Salbe ist die Rede, die kranken Augen Linderung und Heilung brachte.

Infolge solcher wunderbaren Gebetserhörungen verbreitete sich die Verehrung des Abtes Landelinus immer mehr.
Er konnte am Abend seines Lebens auf eine erfolgreiche Arbeit im Weinberge des Herrn zurückblicken.

Ein heftiges Fieber befiel ihn. Er fühlte den Tod nahe, ließ sich die heilige Wegzehrung reichen und ließ dann seine Klosterbrüder zu sich kommen. Traurig umstanden seine aus allen Klöstern herbeigeeilten Zöglinge den geliebten Abt.
Mit väterlichen Worten des Trostes und der Ermunterung entschlief der in härenem Bußkleide auf einem aschebestreuten Boden liegende Heilige wahrscheinlich im Jahre 707. Andere Quellen geben auch 686 als Todesjahr an. Das Martyrologium Romanum und das Martyrologium Paderbornense nennen als Todestag den 15. Juni.

Landelin wurde von seinen Klosterbrüdern in der Klosterkirche von Crispinium begraben.

Die Erhebung seiner Gebeine fand am 15. Juni 1770 statt und geschah durch Bischof Gottfried von Cambrai. Hierauf setzte seine Verehrung als Heiliger ein.

Quellen und Literatur:
- Festschrift: Zur elfhundertjährigen Gedächtnisfeier der Pfarrkirche zu Boke im Jahr 1936; Paderborn 1936
- Acta Sanctorum: Junii Tomus Secundus, Seite 1062-1068; Bruxelles 1695-1717

Rückkehr und Kniefall Landelins (Gemälde von Anton Waller, 1926)
Rückkehr und Kniefall Landelins (Gemälde von Anton Waller, 1926)
Säule und Reste des Klosters in Crespin
Säule und Reste des Klosters in Crespin
 

Die Reliquien des Heiligen Landolinus

Ein schriftlicher Bericht von der Überführung (Translation) der Reliquien aus dem Jahr 836 existiert nicht.

Erst ca. 300 Jahre später werden die Reliquien in einer Urkunde erwähnt. In dieser Urkunde aus dem Jahr 1101 wird die Gründung eines Benediktinerklosters in Boke über den Gebeinen des hl. Landolinus bekundet, welche der Paderborner Bischof Badurad nach Boke hat überführen lassen.

Bei der Datierung der Überführung stützen sich die Historiker auf diese Urkunde und so wird angenommen, dass im Jahre 836, als eine Abordnung des Paderborner Bischofs Badurad die Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn holen ließ, ein Mitglied der Abordnung auch die Gebeine des Boker Pfarrpatrons St. Landolinus aus dem Kloster Crespin in der Diözese Cambrai mit nach Boke brachte.

Die Überführung der Reliquien des Heiligen aus dem Westfrankenreich in das christlich missionierte Sachsen des Frühmittelalters machten den Ort Boke zu einem Stützpunkt der christlichen Lehre im Lipperaum.

Das im Jahre 1101 gegründete Benediktinerkloster bestand nur einige Jahre.
Mit der Auflösung des Benediktinerklosters in Boke und der Verlagerung nach Flechtdorf nordwestl. Korbach) wurde auch der überwiegende Teil der Reliquien mitgenommen.

In den weiteren Jahrhunderten gelangten diese Reliquien nach Osnabrück. Heute gilt dieser Anteil als verschollen.

Von den ursprünglich nach Boke überführten Reliquien ist bis in unsere Zeit nur ein Teil erhalten geblieben. In dem Reliquienschrein aus dem Jahr 1896 wird ein Arm des St. Landolinus aufbewahrt.

Am Sonntag, der dem Landolinus-Tag am 15. Juni folgt, wird das Patronatsfest in Boke gefeiert.

Mit einer feierlichen Prozession, in welcher der Reliquienschrein mitgeführt wird, wird der Festtag des Heiligen begangen.


Quelle und Literatur:
Josef Tönsmeyer: Das Lippeamt Boke, Hrsg.: Amtsverwaltung Salzkotten-Boke, Rheine 1968

Schrein mit den Reliquien des St. Landelinus
Schrein mit den Reliquien des St. Landelinus
 

Burkkapelle auf Ringboke

Neben der St. Landolinus Pfarrkirche in Kirchboke existierte bereits vor 1400 eine Burgkapelle in unmittelbarer Nähe der Burg auf Ringboke.

Bernd von Hörde, der Sohn des Erbauers der Boker Burg auf Ringboke, hatte die Kapelle errichtet.
Dieses kleine Gotteshaus diente nur 100 Jahre als Burgkapelle. Im Jahr 1502 wurde die Kapelle von Philipp von Hörde durch eine neue Kapelle ersetzt.

Die Unterhaltung der Kapelle war durch reiche Stiftungen und jährliche Abgaben gesichtert.
Auch ein Vikar wurde für die Betreuung der Gottesdienste unterhalten.
Die Patrone der Kapelle waren St. Anna und St. Antonius, der Eremit.

Im 30-jährigen Krieg wurde die Kapelle zerstört und im Jahr 1658 durch eine dritte Kapelle ersetzt.

Die Burgkapelle verlor im Jahr 1711 die Selbstständigkeit und der einzige religiöse Mittelpunkt des Ortes war die St. Landolinus Pfarrkirche in Kirchboke.

Im Jahr 1818 wurde die Burgkapelle auf Ringboke abgebrochen; das Abbruchmaterial wurde bei dem Bau einer neuen Schule neben der Kirche wiederverwendet.

Das Geläut aus der Kapelle, die „St. Anna Glocke", fand später Verwendung auf dem Spritzenhaus der Feuerwehr auf Ringboke und alarmierte bei Feuer oder Hochwasser.

Heute befindet sich die „St. Anna Glocke" auf dem 1953 errichteten Ehrenmal auf Ringboke und verkündet dreimal täglich den Angelus.

 

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Kirchplatz 8
33129 Delbrück

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